Publikationen
Das wissenschaftliche Werk von Professor Söbbing umfasst Monographien, Handbücher, Sammelbandbeiträge. Insgesamt 9 Bücher und nahezu 300 Fachveröffentlichungen . Inhaltlich bildet es ein kohärentes Forschungsprogramm zur privatrechtlichen, immaterialgüterrechtlichen und regulatorischen Ordnung der Digitalisierung. Seine leitende Fragestellung ist, wie technisch und ökonomisch neuartige Sachverhalte in die Kategorien des geltenden Rechts eingeordnet und durch belastbare Vertrags-, Haftungs- und Governance-Strukturen beherrscht werden können.
Ausgangspunkt und kontinuierlicher Schwerpunkt ist das IT-Vertrags- und Outsourcingrecht. Das in mehreren Auflagen fortgeführte, in der vierten Auflage mehr als 1.200 Seiten umfassende „Handbuch IT-Outsourcing“ verbindet Vertragsdogmatik mit den strategischen, prozessualen, technischen und steuerlichen Bedingungen komplexer Auslagerungsvorhaben. Die begleitenden Arbeiten untersuchen Leistungsbeschreibungen, Service Level Agreements, Transition und Transformation, Nutzungsrechte, Haftung, Claim- und Change-Management, Benchmarking, Cloud- und SaaS-Modelle sowie die Abgrenzung von Dienst-, Werk-, Kauf- und Werklieferungsvertrag. Der Vertrag erscheint dabei nicht nur als punktueller Leistungsaustausch, sondern als relationale Governance- und Risikoverteilungsordnung. Besonders deutlich wird dies in der Übertragung der von Oliver Hart und Bengt Holmström entwickelten Contract Theory (Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 2016) auf IT-Verträge: Informationsasymmetrien, unvollständige Verträge und Anreizmechanismen werden für die Vertragsgestaltung operationalisiert (NJW 2016, 18 f.; ITRB 2016, 284 ff.; GWR 2020, 238 ff.). Die Arbeiten zum Scheitern von Vertragsverhandlungen und zum professionellen Verhandeln erweitern diesen Ansatz um die Voraussetzungen rationaler Willensbildung und die Bewältigung komplexer Interessenkonflikte.
Ausgehend von einer frühen Untersuchung zur Robotik entwickelte sich ein eigenständiger Schwerpunkt im Recht der Künstlichen Intelligenz. Die Monographien „Fundamentale Rechtsfragen künstlicher Intelligenz“ (2019) und „Einführung in die Rechtsfragen der künstlichen Intelligenz“ (2025) werden durch Beiträge zu Deep Learning, neuronalen Netzen, algorithmischer Diskriminierung, autonomem Fahren, Hochfrequenzhandel und generativer KI ergänzt. Dogmatisch stehen die Zurechnung automatisierter Entscheidungen, der Schutz von Algorithmen und KI-Output, das Training von Modellen nach §§ 16, 44b UrhG, automatisierte Entscheidungen nach Art. 22 DSGVO sowie die Governance-Pflichten der KI-Verordnung im Vordergrund, namentlich nach Art. 13, 17 und 25 KI-VO. Die Veröffentlichungen verbinden damit Zivil-, Urheber-, Datenschutz- und Regulierungsrecht zu einer querschnittsorientierten Analyse lernender Systeme.
Ein weiterer Forschungsstrang betrifft das digitale Finanz- und Datenwirtschaftsrecht. Die Monographie „Fundamentale Rechtsfragen des Digitalen Bankings“ (2021) steht in einem Publikationszusammenhang mit Arbeiten zu Banken- und Cloud-Outsourcing, MaRisk und BAIT, PSD II, FinTech, mobilen Zahlungssystemen, algorithmischem Wertpapierhandel, Scoring und Datenzugangsrechten. Untersucht wird insbesondere, wie technologische Innovationen in sektorale Aufsichtsregime, datenschutzrechtliche Verantwortungsstrukturen und zivilrechtliche Haftungsmodelle einzuordnen sind.
Die internationale Publikationstätigkeit folgt einem funktionalen rechtsvergleichenden Ansatz. Arbeiten in Euromoney-Publikationen, im German Law Journal, im Indian Journal of Law and Technology und in China Intellectual Propertybehandeln globale Outsourcing-Strukturen sowie das chinesische, indische, deutsche und europäische Softwarerecht. Hinzu kommen Untersuchungen zum Schweizer IT- und Datenschutzrecht, zur russischen Datenlokalisierung, zum israelischen Urheberrecht, zum britischen Common Law und zum US-amerikanischen IP-Recht. Phänomene wie Cloud Computing, Plattformen, Blockchain, Pokémon GO, Weltraumnutzung, In-vitro-Fleisch, Gentechnik und das Metaversum dienen zugleich als dogmatische Belastungstests tradierter Rechtsbegriffe. Das Publikationswerk steht damit für eine Rechtswissenschaft, die technologische Entwicklungen frühzeitig erfasst, ihre strukturellen Rechtsfragen systematisiert und in rechtspraktisch anschlussfähige Lösungen überführt. Die Fachbeiträge erscheinen insbesondere in CR, MMR, RDi, ZD, RDV, ITRB, InTeR, KIR und ZfDR und unterliegen nach Maßgabe des jeweiligen Publikationsorgans Peer-Review- oder redaktionellen Prüfverfahren.
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